150 Jahre Feuerwehr Schimborn - eine Chronik und damit viele tolle Erinnerungen

Seit Menschengedenken bestand und besteht die Bedrohung durch Unglücksfälle und Katastrophen. Deshalb existierten bereits im Altertum Notgemeinschaften, die sich gegenseitig halfen und unterstützten. Nachdem 1867 das königliche Bezirksamt Alzenau für seine Gemeinden eine Feuerlöschordnung erlassen hatte, fanden sich 1876 tatkräftige Schimborner Männer zusammen und gründeten eine Feuerwehr.

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Gründungsurkunde aus 1876

Als erster Vorstand wurde Ignatz Remetter und als Commandant Johann Röll gewählt.

Damals noch mit sehr einfachen Mitteln, wagten sie den Kampf gegen das Feuer. 1877 wurden hierfür „Feuerwehr-Kittel“ beschafft, die jeder Feuerwehrmann auf eigene Kosten finanzieren musste.

Angepasst an die geschichtlichen Entwicklungen und Ereignisse wurden in gewissen Abständen Übungen und Versammlungen abgehalten. In den damaligen Statuten war auch zu lesen: „Wer bei Übungen mehr als zweimal fehlt ohne Entschuldigung, wird zur Pflichtfeuerwehr zugeteilt.“

Aus diesen frühen Tagen der Freiwilligen Feuerwehr Schimborn gibt es -abgesehen von den Wahlen und deren Ergebnissen- leider nur wenige Überlieferungen. Deshalb lassen sich Ausrüstungen und Einsätze dieser Zeit schwer recherchieren. Selbst die 50- und 100-jährige Chronik gibt darüber hinaus wenige Einblicke.

Der 1928 gewählte Ehrenkommandant Otto Brückner führte die Feuerwehr durch die unruhigen Zeiten des 2. Weltkrieges. Er beschaffte 1943 eine TS6 und 1945 eine stehengebliebene TS8 von zurückziehenden deutschen Truppen. Auf der ersten „Nachkriegs-“ Generalversammlung 1952 wurde er wiedergewählt und begleitete dieses Amt bis 1957.

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Alter Anhänger inkl. Pumpe aus den 1940er Jahren

In dieser Zeit änderten sich die gesetzlichen Regeln für die Feuerwehren, wodurch die Erwartungen an das Feuerwehrwesen stiegen und damit verbunden auch an die Ausrüstungs- und Ausbildungsbedarfe. Zum Löschwesen kam z.B. die Hilfeleistung bei Unglücksfällen hinzu.

1962 wurde unter Ehrenkommandant Ludwig Thalheimer die erste Leistungsprüfung abgelegt und 1963/64 verbesserte sich die Ausrüstung um eine TS8/8 und einen TSA (Anhänger). Kurz nach dem 90-jährigen Bestehen konnte man 1966 das erste Löschfahrzeug in Schimborn begrüßen, nämlich einen umgebauten Mercedes L319 (Baujahr unbekannt, in Dienst von 1966 bis 1976).

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Weihe des Tragkraftspritzenanhängers 1964

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Mercedes L319 (Baujahr unbekannt, in Dienst von 1966 bis 1976, Firma Mahr)

Das schon nach dem Krieg genutzte Feuerwehrhaus auf dem heutigen Dorfplatz (an der alten Schule bzw. der alten Kirche) war ein kleines Spritzenhaus, welches bereits 1965 als massiv baufällig galt. Aus verschiedenen Quellen ist zu lesen, dass es feucht und zugig war, der Schlauchturm abgerissen werden musste und obendrein ernsthafte Befürchtungen bestanden, dass das untergestellte Material massiv Schaden nehmen könne, wenn man nicht etwas unternähme.

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Feuerwehrhaus 1965, der Schlauchturm musste abgerissen werden

Auf Grund des desolaten Zustandes musste das Löschfahrzeug in einer vorübergehenden „Notunterkunft“ untergebracht werden. Diese wurde in Eigenleistung auf dem Anwesen von Alfred Wissel 1 geschaffen.

Eine wichtige Entwicklung bei der Alarmierung der Einsatzkräfte stellte die 1968 beschaffte, händisch auszulösende Alarmsirene dar, welche auf der (alten) Schule installiert wurde.

Die noch bedeutungsvollere Neuerung dieser Zeit war 1967 die Änderung des Bayerischen Feuerwehrgesetztes, die von da an die Aufnahme von Jugendlichen ab 14 Jahren in die Feuerwehr erlaubte. Nachdem er sich bereits am 27.09.1972 mit jungen Interessenten getroffen hatte, gründete sich 1973 die Jugendfeuerwehr Schimborn mit ihrem ersten Jugendwart Oswald Glaab. Noch im selben Jahr konnten die ersten Jugendlichen ihre Jugendleistungsprüfung erfolgreich ablegen und bis heute ist die Jugendfeuerwehr einer der wichtigsten Bestandteile unserer Wehr!

Nach über 20 Jahren vergeblichen Bemühens begann schließlich 1975 der Bau des neuen Gerätehauses, das schon 1976 bezogen wurde. Endlich konnte die Ausrüstung trocken und sauber verstaut sowie Übungen besser abgehalten werden.

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Gerätehausbau 1976

Noch im selben Jahr freuten sich die Kameraden über ein gebrauchtes LF16-TS-K der Feuerwehrschule Würzburg (Baujahr 1964, in Dienst von 1976 bis 1998), welches in Eigenleistung aufbereitet wurde und den alten Mercedes ablöste.

Nach einem tödlich-tragischen Silounfall 1975 in Schimborn konnten schlussendlich 1978 die ersten schweren Atemschutzgeräte in Dienst gestellt werden. Die hierfür nötigen Ausbildungen wurden bereits in den vorangegangenen Jahren von einigen Kameraden besucht. Ab 1979 konnten die Feuerwehrkräfte ihre Einsätze und Übungen dann auch in den neuen Schutzanzügen „Bayern 2“ verrichten.

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Atemschutz und Bayern 2

Unter Ehrenkommandant Oswald Glaab konnte 1983 ein zusätzliches Löschfahrzeug beschafft werden: ein gebrauchtes LF 8 der Stadt Alzenau (ehemals FF Michelbach, Baujahr 1963, in Dienst von 1983-1994). Des Weiteren wurde 1985 die Sirenensteuerung installiert, die eine durch die Leitstelle ausgelöste Alarmierung ermöglichte. Mit diesen Neuerungen wuchsen die Schlagkraft und die Reaktionsschnelligkeit der Feuerwehr.

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links: LF16-TS-K (Baujahr 1964, in Dienst von 1976 bis 1998, Metz-Mercedes)

rechts: LF 8 (Baujahr 1963, in Dienst von 1983-1994, Ziegler-Opel)

Nachdem in den 1980er Jahren die Einsatzzahlen stiegen, wurde in den 1990ern die Modernisierung der Feuerwehr Schimborn weiter vorangetrieben:

Eine Neuheit bei der Ausstattung des LF 16-12 stellte der Rettungssatz dar. Durch diesen waren die Kameraden erstmals in der Lage, bei den immer schwereren Verkehrsunfällen auf den drei Staatsstraßen wirkungsvoll technische Hilfe im heutigen Verständnis zu leisten. Zudem konnten mit dem großen Wassertank Brände effektiver bekämpft werden.

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links: Versorgungsfahrzeugs (Baujahr 1989, in Dienst von 1998 bis 2010, VW)

mittig: LF16-TS (Baujahr 1987, in Dienst von 1998 bis 2017, Lentner-Iveco)

rechts: LF16-12 (Baujahr 1992, in Dienst von 1993-2020, GFT-Mercedes)

Ebenfalls in diesem Jahrzehnt wurden die ersten Lehrgänge in Schimborn abgehalten: Truppmann Teil 1, Truppmann Teil 2, Truppführer sowie Atemschutzgeräteträgerlehrgänge. Dieser Ausbildungsbetrieb und die wachsende technische Ausrüstung machten es notwendig, Werkstätten und eine Küche an das Feuerwehrgerätehaus anzubauen. Die erfolgreiche Realisierung der Anbauten erfolgte jedoch erst nach langem Ringen, sogar vor Gericht, in Eigenleistung.

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Werkstattbau

Außerdem hielt mit dem LF 16-TS der Wehrersatzdienst in Schimborn Einzug: die Ersatzdienstleistenden verpflichteten sich über mehrere Jahre zur aktiven Mitwirkung im Feuerwehrdienst.

In den 2000ern waren schließlich eine moderne Ausrüstung und ein zeitgemäßes Feuerwehrhaus vorhanden, wodurch man sich dem Lehrgangsbetrieb und der Personalausbildung widmen konnte. 2002 leisteten unsere Feuerwehrkräfte erstmals mehrtägig überörtliche Katastrophenhilfe in Raguhn (Sachsen-Anhalt) beim Elbhochwasser.

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Raguhn 2002

Gegen Ende des Jahrzehnts kam es -unfassbarer und schockierender Weise- zu einem Einbruch ins Feuerwehrhaus! Hierbei wurde nicht nur Ausrüstung gestohlen, sondern obendrein das V-Fahrzeug entwendet und stark beschädigt. Kurze Zeit später, 2010, wurde ein Mehrzweckfahrzeug (MZF) angeschafft; das erste Neufahrzeug überhaupt in über 130 Jahren Feuerwehrgeschichte in Schimborn! Dieses MZF wurde inzwischen schon mehrmals für die moderner werdende Technik sowie Spezialaufgaben umgebaut.

So scheinbar „ruhig“ wie es in den vorherigen Jahren war, so ereignisreich und zukunftsweisend waren die folgenden 10 Jahre:

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Gerätehaus 2026

Aber auch die darauffolgenden Jahre waren nicht weniger stark prägend. So wurde unter anderem der Lehrgangs- und Ausbildungsbetrieb durch die Schwerpunkte Absturzsicherung und Motorsägenführer wieder intensiver aufgenommen. 2021 kam es erfreulicherweise endlich zur Neugestaltung des Feuerwehrhofes. Außerdem beteiligten wir uns am Hilfsgüterkonvoi nach einem Erdbeben in Kroatien und leisteten als Teil des Hilfeleistungskontingents Hochwasser/Pumpen einen Tag Dienst in Wiesentheit (Bayern) um gerade einmal acht Tage später für eine Woche zur Flutkatastrophe nach Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) zu fahren. Dieser außergewöhnliche Einsatz war für uns Feuerwehrkräfte in vielfältiger Weise prägend und wurde mit der Verleihung der Fluthelfer-Medaille gedankt. Auch im Jahr 2024 waren wir erneut mit dem Hilfeleistungskontingent im Einsatz: hier ging es für vier Tage nach Friedberg (Bayern).

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Ahrweiler 2021

Ein weiteres neues Aufgabengebiet wurde uns 2023 mit der Gründung einer Drohnengruppe zu Teil. Hierbei unterstützen unsere Drohnenpiloten in den verschiedensten Bereichen, wie beispielsweise der Personensuche, beim Brandeinsatz oder auch einem Verkehrsunfall, die anderen Einsatzkräfte aus der Luft.

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Drohne im Einsatz

Letztes Jahr erfolgte dann noch die Stationierung eines Radladers des Landkreises (Baujahr 2020) an unserem Standort. Dieser löste unseren über 50 Jahre alten Gabelstapler ab, der leistungstechnisch und wegen diverser Altersmängel mit den gegebenen Anforderungen nicht mehr einsatztauglich war. In vielen Stunden Arbeit fertigten kreative Feuerwehrkameraden aus dem „Baustellenfahrzeug“ ein ansehnliches Feuerwehr- Einsatz- Fahrzeug.

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Radlader

Nun feiern wir dieses Jahr das 150-jährige Bestehen unserer Feuerwehr, die sich von einer Gruppe helfender Männer hin zu einer hochmodernen, komplexen, spezialisierten und zeitgleich universell einsetzbaren Organisation entwickelt hat. Es ist und bleibt -mit Sicherheit auch künftig- eine spannende, vielseitige, kameradschaftliche und ehrenamtliche Tätigkeit, die von engagierten und völlig unterschiedlichen Personen lebt- mit dem Ziel, Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, in einem Notfall bestmöglich zu helfen.

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unsere Fahrzeuge 

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(Von links nach rechts)

Hintere Reihe: Volker Kraus, Timo Schlegel, Rebecca Gries, Lisa Mücke, Mirjam Mücke, Manuel Mücke, Agnes Aicher, Timo Schnabel, Luis Guedes Lopes, Dennis Thalheimer, Jennifer Caris, Lasse Fischer, Franziska Seebacher, Gerd Griesbeck, Bernhard Bergmann, Benjamin Weidinger

Vordere Reihe: Leonard Gilmer, Lukas Mücke, Philip Misterek, Klaus Rosenberger, Holger Kuhlmann, Dominik Janku, Matthias Förster mit Josie Förster, Ronald Herleth, Jan Rosenberger, Jochen Spatz, Steffen Gries, Dario Lovro, Simon Kromelis, Verena Thomas, Jochen Herr, Anke Rosenberger

Knieend: Leon Schlegel, Frederic Blam, Christian Glaab, Philip Rienecker, Constantin Rienecker, Max Pfarr, Amy Weidinger, Emma Kunkel, Hanna Gries, Hanna Böhm, Lio Platzöder, Theo Kaiser, Oskar Krölls

Noch eine Anmerkung zum Schluss: In dieser Chronik ist aufgrund des Umfangs bewusst nur auf eine geringe Anzahl von bedeutsamen Einsätzen eingegangen worden.

Die Festschrift sowie die Festschriften aus 1976 und 1966 stehen hier zum download bereit.

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